WEEKLY TOPIC #10 - RECYCLING - Alles eine große Lüge?

Recycling - Alles eine große Lüge?

Letzte Woche sprachen wir bereits über Mülltrennung. Die ist immens wichtig, um den Abfall wiederverwerten zu können. Deutschland wird oft als Recycling-Weltmeister bezeichnet, immerhin werden 38% der Kunststoffabfälle wiederverwertet! Doch was ist wenn ich euch sage, dass die eigentliche Quote deutlich niedriger ist?

2017 recycelte Deutschland 69% des kompletten angefallenen Mülls. Wie schon gesagt wurde nach offiziellen Angaben 38% von den Kunststoffabfällen recycelt. Aber wie funktioniert der ganze Prozess überhaupt?

Anfallende Kunststoffabfälle werden entweder energetisch oder stofflich verwertet. Der Abfall wird also entweder verbrannt oder aus ihm wird Rezyklat zur Produktion neuer Kunststoffprodukte hergestellt. Damit neues Rezyklat hergestellt werden kann, muss der verwertete Kunststoff sortenrein sein. Da dies beim Abfall häufig nicht der Fall ist, kann nur ein Bruchteil recycelt werden.

Der Abfall, der nicht verwertet werden kann, oder nur für minderwertige Downcycling-Prozesse geeignet ist, wird in Recyclinganlagen aussortiert. Da hierzulande allerdings nicht genügend Kapazitäten vorhanden sind, um diesen komplett zu verwerten, wird ein Teil exportiert. 

In den offiziellen Statistiken wird der exportierte Müll mit in der Recyclingquote einberechnet. Laut einer Studie der Conversio wurden im Jahr 2017 710.000 Tonnen Kunststoffmüll in andere Länder exportiert. In der Theorie ja nicht unbedingt verwerflich: Der Müll, der hier nicht verwertet werden kann, wird anderen Ländern übergeben, die mit diesen Mengen umgehen können.

Lange Zeit galt China als größter Importeur von Müll. 2018 stoppte China den Großteil des Imports durch eine neue Verordnung, die vorschreibt, dass der Müll größtenteils nicht verunreinigt sein darf.

Seitdem suchten sich die Exporteure andere Länder, die den Müll ohne diese Auflagen kaufen. Diese Länder haben allerdings kaum die Möglichkeit, den Müll fachgerecht zu verwerten, geschweige denn zu entsorgen. Seit dem Importstopp Chinas ist Malaysia der größte Abnehmer von deutschem Verpackungsmüll.

Dort und in anderen Ländern wird meist nicht mehr kontrolliert, was mit dem Müll genau passiert. Der Großteil des Mülls wird nach Sortierung auf Mülldeponien gelagert. Etwas, was in Deutschland aus Umweltschutzgründen nicht mehr erlaubt ist. Immer wieder wird der Müll in den importierenden Ländern auf den Deponien unter freiem Himmel verbrannt.

Wenn man den Müllexport separat betrachtet, liegt die bereinigte Recyclingquote von Kunststoffabfällen bei gerade mal 18%. Man kann also schon sagen, dass die offiziellen Angaben zum Recycling sehr beschönigt sind. 

Das Recycling dennoch essentiell für uns ist, ist unbestritten. Im nächsten Video wollen wir uns anschauen, was die Müllexporte für Auswirkungen haben und welche Maßnahmen getroffen werden sollte, damit in Zukunft mehr Kunststoffe in Deutschland recycelt werden können.

Wusstet ihr bereits von den Müll-Exporten? Schreibt es uns gern in die Kommentare. Wir sehen uns beim nächsten Mal, bis dahin - ciao!

 

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